Wirkmechanismus – Amotosalen

Amotosalen-Wirkmechanismus

Das INTERCEPT™ Blood System für Thrombozyten und Plasma nutzt die einzigartigen Eigenschaften eines speziell entwickelten Moleküls – Amotosalen-HCl –, um die Replikation von DNA und RNA unwiderruflich zu blockieren und so die Proliferation von suszeptiblen Pathogenen zu verhindern. Vor der Transfusion wird das Rest-Amotosalen so stark reduziert, dass nur noch Spuren verbleiben. Thrombozyten und Plasma werden durch den Vernetzungsprozess nicht inaktiviert, da für ihre therapeutischen Funktionen keine Nukleinsäuren erforderlich sind.

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Kontrollierte Reaktion

Die Interaktion von Amotosalen mit DNA und RNA ist sehr spezifisch; sie tritt mit hoher Frequenz selbst bei geringen Konzentrationen von Nukleinsäuren auf. Im Inneren eines Pathogens dockt das Amotosalen zwischen den Basen der Nukleinsäure an. Bei Bestrahlung mit ultraviolettem Licht (UVA) bildet sich ein Interstrand-Crosslink (eine Verbindung zum komplementären Strang in demselben Doppelstrang), der die DNA bzw. RNA quervernetzt, sodass keine Replikation mehr möglich ist. Diese Reaktion läuft nur unter Einwirkung von UVA-Licht ab.

Breites Spektrum der Inaktivierung

Amotosalen weist keine signifikante Spezifität für die Nukleinsäuresequenz und keine Selektivität für Genmaterial eines bestimmten Organismus auf. Bei einem breiten Spektrum von Pathogenen sowie bei Leukozyten kann die Replikation inaktiviert werden.

Gut charakterisierte Verbindung

Amotosalen gehört zu einer Gruppe von fotoaktiven Verbindungen, den sogenannten Psoralenen, die eine charakteristische Drei-Ring-Struktur aufweisen. Natürliche Psoralene kommen in verschiedenen Pflanzen und Nahrungsmitteln vor, beispielsweise in Limonen, Sellerie und Pastinaken. Frühe Berichte über eine medizinische Nutzung von Psoralenen zur Behandlung von Vitiligo und Psoriasis in Indien stammen aus der Zeit um 1400 vor Christus. Heutzutage ist 8-Methoxypsoralen in Kombination mit UVA-Licht (bekannt als PUVA-Therapie) zur Behandlung von Psoriasis sehr verbreitet und auch als Ex-vivo-Therapie zur Kontrolle des kutanen T-Zell-Lymphoms zugelassen. Für die Dekontamination von Blutprodukten wurden Hunderte von Psoralenen auf ihre chemischen und biologischen Eigenschaften geprüft. Aufgrund der hervorragenden Aktivität gegen ein breites Spektrum von pathogenen Viren und Bakterien bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der funktionellen Eigenschaften von Thrombozyten und Plasma wurde Amotosalen ausgewählt. Sicherheit und Wirksamkeit von behandelten Thrombozyten und Plasmaprodukten wurden vor der Zulassung umfassend evaluiert.